Der Solitär in der Wohnung

Mit Möbeln von der Stange fehlt der Wohnung schnell die persönliche Note. Alles wirkt 08/15 und gleichförmig. Die Verkaufsschlager mancher Möbelketten stehen in Hunderten von Wohnungen.


Die Folge:

Einige wollen wieder etwas haben, was sonst keiner hat. Sie wünschen sich mehr Individualität. Einzelstücke und Kleinserien sind dabei ebenso eine Alternative zum Möbel-Mainstream wie das Selbermachen.

Unique Living

Nicht jeder Mensch fühlt sich mit den Möbelserien aus dem schwedischen Möbelhaus wohl zuhause. Der Ein oder Andere möchte nicht, dass sein Wohnzimmer wie das Millionen Anderer aussieht und das ist auch verständlich. Unique Living wird daher immer beliebter. Es bedeutet, seinen eigenen Stil zu finden und ihn durch individuell ausgesuchte Einzelstücke zu definieren. Dies können Erbstücke, Flohmarkt-Schätze oder Designer-Stücke sein.

Im Folgenden versuchen wir Ihnen ein paar Inspirationen für neue Ideen zugeben.


Vintage-Look ohne Vintage

Wer keine alten Schätze besitzt und wen es noch dazu keinesfalls zum Trödler zieht (der Geruch!), kann für den spannenden Einrichtungs-Mix auf Design setzen, das Formen und Materialien vergangener Dekaden zitiert oder einfach einzigartig ist.

Royale Tafelrunde - neue Heimat für Omas Porzellan und Silberbesteck

Blau-Weiß geht immer! Porzellan mit verschiedenen klassischen und neuen Mustern in allen Blaunuancen zu mischen holt so manch verstaubtes Erbstück ins Hier und Jetzt. Silberbesteck und Hohlsaum¬servietten runden das Menü ab, die Gläser halten sich optisch zurück.

Einmaliges Einzelstück oder alter Schinken?

Ist die neu gepolsterte Bank nun ein wunderbar einmaliges Einzelstück oder buchstäblich ein alter Schinken? Alles, was man mit Liebe betrachtet, ist schön. Wenn man angenehme Erinnerungen mit einem Stück verbindet, hat man es gern um sich. Dasselbe gilt für Fundstücke vom Flohmarkt oder Trödler, an denen man einfach nicht vorbeigehen konnte. Solche Dinge sind mit ihrer Patina ein charmanter Bruch in allzu perfekten Inszenierungen. Und wenn Sie, wie hier Mut zeigen, kombinieren Sie zwei unterschiedliche Muster miteinander.

Erbstücke in Ehren halten

Das Samtplaid stammt aus dem Boudoir einer französischen Schauspielerin? Das knuffige Sofa gehörte einmal der Großmutter des Ehemannes der heutigen Besitzerin? Dann gilt: Monetär wertvoll oder nicht - das Besondere an Erbstücken ist ihre Geschichte und Ausstrahlung. Wer sie mit aktuellem Design und Dekoration kombiniert, schafft Räume, die so vielschichtig sind wie das Leben selbst.

Wie dekoriert man lustigen Kitsch so, dass er ironisch verstanden wird?

Indem man ihn als Gruppe arrangiert. Dabei ist es ganz egal, ob diese Gruppe monochrom oder kunterbunt ist, Hauptsache, sie ist groß und als Einheit zu erkennen. Denn erst durch Übertreibung wird das Augenzwinkern offensichtlich. Steht dagegen eine kleine beleuchtete goldene Gondel alleine am Fenster und drüben auf dem Beistelltisch der Schiefe Turm von Pisa in Neonpink ohne Mitspieler - oder wie hier der schwarze Dackel aus Keramik und der kleine rote Gartenzwerg unter der Glas-Glocke - sieht’s leider aus, als sei das Ganze ernst gemeint.

Felix, Innenarchitekt

Möbel mit Einmaligkeit und Charakter sind mein Ding. Ich habe dieses wellenförmige Sideboard entdeckt, das mich sofortbegeistert hat. Egal, wo man es hinstellt, es ist immer der Held und zieht alle Blicke auf sich. Wenn Sie also etwas suchen, das sich wie eine Skulptur in den Raum einfügt: Hier ist es.
Eigentlich ist damit ja schon alles gesagt. Dieses besondere „Stück“ wertet Ihre Wohnung auf und setzt sich selbst dezent ins richtige Licht. Man schaut sofort zweimal hin um sich von der Wellenform einnehmen zu lassen. So schön!

Wo bekommt man alte Stücke her, wenn man sie nicht schon besitzt?

Um auf dem Flohmarkt, in Trödel- oder Vintage-Läden oder auf Ebay wirkliche Schätze zu heben, braucht man schon gewisse Trüffelschwein-Qualitäten und Ausdauer. Schauen Sie öfter mal bei Ihrem Antiquitätenhändler im Viertel rein oder stöbern Sie durch diverse Möbel-Secondhand Läden in Ihrer Stadt. Manchmal wird man fündig oft aber auch nicht. Vielleicht starten Sie mit einer Sammlung hübscher Kleinigkeiten bis Sie auf die großen Schätze stoßen.

Wie verhindere ich, dass meine Altbauwohnung mit historischen Stilelementen nicht wie eine Filmkulisse wirkt?

Die Antwort steckt im Grunde schon in der Frage: indem man gegensteuert, also Gegensätze zum Einsatz bringt. Auf die Altbauwohnung bezogen bedeutet das, sie mit modernen oder klassisch-schlichten Möbeln einzurichten und auf Biedermeiersofa oder Gründerzeitanrichte eher zu verzichten; das sieht sonst schnell nach Museum oder Filmkulisse aus. Wer mag, kann Stilelemente wie Stuck oder Kassettentüren aber natürlich trotzdem betonen, etwa mit dunkelblauer oder grauer Wandfarbe, die den weißen Stuck leuchten lässt. Auch toll: Altbaufußleisten oder kassettierte Türblätter, die in einer Trendfarbe gestrichen sind.